Auf zum Wien Marathon! Und das mit noch 15 weiteren Läufern: 4 Staffeln "Doppler & Friends"!
Das Wetter verspricht nicht allzu viel. Es wird sehr kühl bleiben und Regen wird nicht ausgeschlossen. Also, Regen brauche ich absolut nicht. Ich fühle mich noch immer nicht ganz fit. Die kurze Rücksprache mit meinem Arzt bestätigt mir, dass ich maximal die Halbmarathondistanz laufen soll. Ich stelle mich darauf ein.
Mit etwas medizinischer Unterstützung geht das sicher gut. So viel ist einmal klar.
Wir treffen uns zum Abholen der Startunterlagen - nicht alle zur gleichen Zeit - nicht alle am gleichen Ort, aber am Abend ist alles geregelt. Jeder hat seine Utensilien und alle freuen sich auf den nächsten Tag.
Ich kann sehr gut schlafen; muss ja auch "nur" Halbmarathon laufen.
Mit dem Ziel, gemeinsam mit Michael, einen Halbmarathon in maximal zwei Stunden zu schaffen gehen wir an den Start. Es ist ungemütlich kalt und endlich geht es los. Wir achten auf unser Tempo um die Zielzeit zu schaffen. Ich muss mich nicht sehr anstrengen.
Schon nach einigen Kilometern ist in mir der Kampf zwischen dem heute sehr vernünftigen inneren Schweinehund, der vehement für 21 km ist und dem Endorphin-Tiger, der natürlich unbedingt das 42,195 km Feeling haben will, entbrannt. Ich möchte diese Gedanken verbannen. Mein Arzt hat ja auch gemeint, dass es nicht vernünftig ist, die Marathondistanz zurückzulegen, auch wenn ich mich auf der ersten Hälfte wohl fühle. Was soll´s? Wir laufen gut. Das Ziel, die Halbmarathondistanz in maximal zwei Stunden zu erreichen wird mit jedem Kilometer realistischer - wir schaffen das. Der Gedanke an die gesamte Marathondistanz lässt mich nicht los. Ich sag das mal Michael und nach der Staffelübergabe auch Wieland. Die Entscheidung muss ich alleine für mich treffen (die Überlegung, einfach in die Streckenteilung zu laufen und dann zu sehen auf welche Seite ich falle, ist nur Spass).
Faktum ist, dass ich so rund 100 Meter vor der Streckenteilung auf die Marathonspur abbiege. Michael schafft seine gute Halbmarathonzeit sowieso und ich gehe das Risiko ein, dass ich bei etwaigen Problemen den Lauf abbrechen muss.
Ich achte sehr auf die Signale meines Körpers. Der fühlt sich einfach gut und freut sich auf die Endorphine. Mein Geist überwacht den Zustand sehr sorgfältig. Sollten irgendwelche Probleme auftreten, wird ein Stopp sofort und ohne Zögern erfolgen - das verlangt der nun sehr wachsame Geist vom Körper.
Ich habe schon mal festgestellt, dass ich meinen Körper liebe. Darum passe ich auch auf ihn auf!
Nun sind Körper und Geist einig: weiterlaufen, gut fühlen und das Marathonziel erreichen (dass das unter vier Stunden liegen wird, ist schon lange klar)!
Alles geht gut. Ich kann gut laufen. Nichts tut weh. Der Rhythmus passt, das Tempo passt. Die Temperatur könnte etwas höher sein.
Die Kilometertafeln ziehen an mir vorbei. Die emotionale Anforderung im Prater, auf der Strecke zum Lusthaus, macht mir nichts aus. Dann geht es ja nur noch Richtung Ziel. Auf den letzten Kilometern, am Ring, fehlt mir heuer die Musik von Johann Strauß.
Und die 42 Kilometer Tafel ist da! Abbiegen auf den Heldenplatz und durchs Ziel. Die Zeitnehmung zeigt 3h53, das sind für mich nur wenige Sekunden über 3h50 - geschafft!!!
Nach ganz kurzem Bodycheck (alles ok bei mir, nichts tut weh, ich bin nicht am Ende meiner Kräfte) kommt das überwältigende Gefühl, wieder etwas besonderes geleistet zu haben.
- ich bin glücklich - !
Jetzt muss ich nur rasch unter die Dusche und brauche trockene Kleidung. Mein Immunsystem ist sicherlich an der Grenze. Dann werde ich mich darum kümmern, dass ich zu meinen Freunden komme. Ich habe ja meinen Plan gehörig geändert.
Ich darf mich aber gleich noch ganz besonders freuen, weil Reini im Ziel auf mich gewartet hat.
Gleich darauf treffen wir noch mehr "Doppler & Friends" und Fans.
Dieser Marathon war schon etwas ganz besonderes!
Ich freue mich, dass alle Läufer ihr Ziel erreicht haben.
Laufen macht glücklich!
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